Ein unterschätztes Risiko im Arbeitsalltag
Pflegefall in der Familie
Warum Mitarbeitende ohne Unterstützung zum Kostenfaktor für Unternehmen werden
Pflegebedürftigkeit betrifft nicht nur ältere Menschen – sondern auch ihre Familien. In Deutschland werden mehr als die Hälfte aller Pflegebedürftigen zu Hause versorgt, meist von Angehörigen. Viele dieser pflegenden Angehörigen stehen mitten im Berufsleben. Studien zeigen, dass rund zwei Drittel aller Pflegenden im erwerbsfähigen Alter sind.
Wenn ein Mitarbeitender plötzlich einen Pflegefall in der Familie betreuen muss, geraten Unternehmen damit oft in eine unsichtbare Kostenfalle: Fehlzeiten, reduzierte Produktivität und Fluktuation.
Zahlen und Fakten: Die Belastung pflegender Mitarbeitender
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Pflegende Angehörige leisten im Schnitt 49 Stunden Pflegearbeit pro Woche – zusätzlich zu ihrem Beruf (Studie 2022).
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Nur 46 % der Hauptpflegepersonen arbeiten noch Vollzeit, 37 % Teilzeit, und 18 % gar nicht mehr.
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Viele reduzieren ihre Arbeitszeit explizit wegen der Pflege – mit direkten Folgen für die Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz.
Die Doppelbelastung führt zu Stress, Erschöpfung und psychischen Erkrankungen, die wiederum krankheitsbedingte Ausfälle verstärken.
Kosten für Unternehmen durch Pflegeverantwortung
Für Arbeitgeber entstehen aus dieser Situation erhebliche betriebliche Folgekosten:
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Fehlzeiten und Krankmeldungen
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Der Krankenstand in Deutschland lag 2023 bei 6,3–6,6 %.
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Mitarbeitende mit Pflegeverantwortung fallen darüber hinaus überproportional häufig aus – nicht nur durch Krankheit, sondern auch durch kurzfristige Pflege-Notfälle.
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Produktivitätsverlust durch Präsentismus
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Auch wenn sie arbeiten, sind viele Betroffene stark belastet. Konzentrationsprobleme und Erschöpfung senken die Produktivität deutlich.
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Fluktuation und Rekrutierungskosten
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Wer seine Arbeitszeit nicht mehr vereinbaren kann, verlässt das Unternehmen.
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Neueinstellungen verursachen hohe Kosten für Rekrutierung und Einarbeitung.
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Image- und Wettbewerbsnachteil
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Pflegefreundliche Arbeitgeber sind attraktiver – Unternehmen, die nichts bieten, riskieren, Fachkräfte an Mitbewerber zu verlieren.
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Laut einer Studie zu den betrieblichen Folgekosten mangelnder Vereinbarkeit von Beruf und Pflege entstehen der deutschen Wirtschaft jährlich Milliardenverluste.
Beispielrechnung: Was bedeutet das für ein Unternehmen?
Ein Mitarbeiter verursacht bei nur 10 zusätzlichen Fehltagen pro Jahr Kosten von rund 4.000 € (inkl. Lohnfortzahlung, Ausfallkosten, Produktivitätsverlust).
Schon wenn nur 5 Mitarbeitende von Pflegefällen betroffen sind, entstehen einem mittelständischen Unternehmen schnell 20.000 € und mehr pro Jahr.
Warum Unterstützung der Schlüssel ist
Unternehmen können diese Kosten reduzieren, indem sie pflegende Mitarbeitende frühzeitig entlasten.
Das gelingt durch:
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schnelle Informationen im Pflegefall,
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klare Handlungsempfehlungen,
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Tools und Services, die Mitarbeitenden Orientierung geben,
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Pflegefreundliche Benefits, die Fürsorge und soziale Verantwortung sichtbar machen
Fazit: Pflege ist ein Wirtschaftsfaktor
Pflegefälle im Mitarbeiterumfeld sind kein Randthema mehr. Sie sind längst ein relevanter Kostenfaktor für Unternehmen – und zugleich eine Chance:
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Wer pflegende Mitarbeitende unterstützt, spart nicht nur Geld, sondern gewinnt Loyalität und stärkt die Arbeitgebermarke.
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Pflegefreundlichkeit wird zum Wettbewerbsvorteil – gerade im Kampf um Fachkräfte.